Arbeiten in Konzernen kann blind machen. Vor all dem, was außerhalb dieser Konzernwelt vor sich geht. Im besten Fall beschäftigen sich solche Läden mit sich selbst, was zwar die Kunden wenig erfreut, aber die Außenwelt am wenigsten beschädigt. Zumindest, wenn man die Chance hat als Kunde auf Alternativen zuzugreifen, die weniger Konzern-zentrisch agieren.
Wie zwei aktuelle Beispiele bei Siemens und Apple zeigen, kann dieses Konzern-zentrische Denken und Handeln schnell zu Imageverlusten in der Öffentlichkeit führen. Kleine Anlässe, große Wirkung: Siemensianer schönten in Wikipedia die Bio ihres Chefs Klaus Kleinfeld und Apple ging juristisch gegen Websites vor, die angeblich Geschäftsgeheimnisse veröffentlichten und sorgte für eine kleine iCrisis.
Im ersten Moment keine großen Affären. Schließlich wurden von Siemensianern keine redaktionellen Seiten in Handelsblatt, Zeit oder Spiegel gefälscht. Lediglich die Verdienste Kleinfelds wurden herausgehoben und gestrichen wurde, dass man Benq für die freundliche Übernahme der desaströsen Mobilfunksparte ein sattes Handgeld zahlte. Damit sollte die heile Siemenswelt wieder in Ordnung sein.
War sie aber nicht. Denn die Kosmetiker aus dem Konzern waren wohl so blauäugig nicht damit zu rechnen, dass ihre Retusche auffliegt. Vielleicht liegt auch das an der Konzerndenke: wer wagt es schon einen Text zu ändern, der möglicherweise von diversen Instanzen abgesegnet wurde? Ja, draußen außerhalb der Konzerne ist eine böse Welt. Da gibt es Menschen, die sich getrauen alleine über die Straße zu gehen und keinerlei Respekt vor dem Wirken der gezinkten Rädchen großer Apparate zeigen. Warum wohl? Vielleicht haben die vielen selbst- und durchdrehenden Rädchen auch keinen Respekt von uns da draußen.
Auch der Star Apple hat sich wohl aus einer ähnlichen Denke einen Kratzer auf dem guten Image zugezogen. Sozusagen eine kleine iCrisis. Man wird damit in der Öffentlichkeit wohl positiver umgehen als mit den Klitterversuchen bei Siemens, zumal ein Gericht nun die Rote Karte gezückt hat.
Was war passiert? Auf einer Website über Apple-Themen wurden Internas über Produkte veröffentlicht, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Daraufhin gingen die Juristen zum Angriff über und wollten dies verbieten und die Websitebetreiber zwingen die undichte Stelle zu nennen.
Aus der Sicht des deutschen Presserechts und des grundgesetzlichen Schutzes ist dies eine bedenkliche Aktion. Auch wie es nun scheint in den USA. Ein Gericht wies nun das Ansinnen der Juristen zurück. Ein zweiter Prozess ist aber noch in Gange.
Apple ist für seine Top-Secret-Aktionen bei Entwicklungen und neuen Produkten bekannt. Dagegen ist nichts zu sagen. Jedes Unternehmen kann vertragsrechtlich seine Mitarbeiter zum Schweigen verpflichten und mit hohen Strafen bei Zuwiderhandlung belegen. Doch bei Dritten und bei der Presse, die Informationen erhält, dürfte dies problematisch sein. Hier gilt es das Gut der Informations- und Pressefreiheit zu schützen. Anders würde es ausschauen, wenn sich Wettbewerber Informationen beschaffen, um daraus Vorteile zu ziehen.
Warum Apple den Weg über die Gerichte gegangen ist, war und ist nicht nachvollziehbar. Gerade in kritischen Situationen ist die juristische Keule oft nicht der beste Weg. Dabei will ich gar nicht das Geschäftsmodell von Anwälten angreifen, die an solchen Prozessen in jedem Fall verdienen, sondern eher den Tunellblick, was man früher auch als Fachidiotentum bezeichnet hat. Viele Juristen können sich scheinbar gar nicht ausmalen, welche öffentliche Wirkung ihre vermeintlich rechtlich sinnvolle Aktion nach sich ziehen kann.
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