Liegt es am Trend einer neuen, beginnenden Spiritualität oder an der Osterbotschaft? Oder einfach am gesunden Menschenverstand? Die Ex-und-Hopp-Mentalität in der Wirtschaft – der Tanz ums Goldene Kalb des alleinig selig machenden Sharholder Value provoziert nachdenkliche Kommentare. Und vielleicht noch mehr.
Auf der Wirtschaftsseite hat die Süddeutsche Zeitung die Kritik am reinen Shareholder Value-Denken am Osterwochenende zum Thema der Woche gemacht. Dort beschreibt Karl-Heinz Büschemann wie das Netzwerk Deutschland-AG in den Taumel der Globalisierung geriet und das Shareholder Value zur oft alleinigen Kennziffer für den Erfolg wurde und alles gut geheißen wurde, was den Kurs trieb.
Dass sich dahinter oft hohle Phrasen, gepaart mit Macht- und Selbstdienungsmentalitzät, verbargen, lässt sich bei etlichen Unternehmen nicht mehr verbergen. Die Namen gefeuerter, sprich gut abgefederter Manager tauchen regelmäßig in den Wirtschaftsspalten auf. Mit und ohne Stern.
Was ist passiert? Oder vielmehr was passiert immer noch? Werden Kurse hauptsächlich durch neue, vielversprechende oder gar riskante Entwicklungen getrieben - oder gibt es eher einen Bonus, wenn das Management bremst, fragt Büschemann. Die Vernichtung der Arbeitsplätze würde an den Börsen eher belohnt als sie zu erhalten.
Globalisierung schien und scheint für viele Manager ein Wert an sich zu sein. Vergessen wird hier oftmals, dass das eigentliche Produkt eines Unternehmens nicht die Globalisierung oder ein Merger ist, sondern überzeugende, gesuchte, wettbewerbsfähige Leistungen. Und Innovationen.
Gut ist dies an Hollywood zu erkennen. Die Studios, die die x-te Auflage des vorletzten Blockbusters 2005 versuchten in den Markt zu drücken, wurden von den Zuschauern radikal abgestraft. Bei General Motors dürfte der Fall ähnlich liegen - nur wurde das nicht so schnell erkannt.
Der Autor macht klar, dass er nichts gegen eine klassische betriebswirtschaftliche Gewinnmaximierung habe. Allerdings kritisiert er, dass hierbei das langfristige Denken, also eine Nachhaltigkeit im Gewinnstreben gegen kurzfristigen Aktionismus aufgegeben wird.
Was fehlt, so die SZ, sind selbstbewusste Manager, die um ihre langfristigen Pläne kämpfen und Aufsichtsräte, die sie darin unterstützen. Und Ent- und Belohnungssysteme, die Nachhaltigkeit im Handeln belohnen.
Dem kann man nur zustimmen. Allerdings könnte es ja auch sein, dass eine aktive, beobachtende Wirtschaftswissenschaft aus einem klaren Blick auf die Märkte zu interessanten Ergebnissen kommt. Etwa dem, dass der Wert und Erfolg eines Unternehmens nicht zuletzt aus einem funktionierenden Dreieick stammt: Zufriedenheit der Shareholder, der Kunden und der Mitarbeiter. Nur wenn alle drei Parteien einen Gewinn aus der Partnerschaft erzielen, dürfte Nachhaltigkeit entstehen.
Es wäre interessant auf zwei Spalten darzustellen, welche Unternehmen und Manager dieses Dreick versuchen in Einklang zu bringen - und welche den Rohstoff Firmenwert eher in der Ex-und-Hopp-Manier nutzen. Und welche Unternehmen stärker Krisenanfällig sind.
Link Aktuell zum Thema (Spiegel Online):
Unionspolitiker beschimpft Manager als modene Spesenritter
Der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann hat Managern von Großkonzernen vorgeworfen, das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft zu gefährden. Ihr Verhalten schade dem Ansehen deutscher Unternehmer.
Eigentümer sind bessere Manager als die Börsen-Condottieri (http://tinyurl.com/keunb), wegen der besseren Übereinstimmung zwischen den persönlichen Zielen des Eigentümers und den Zielen der Firma. Familienunternehmer fühlen sich zudem eng mit der Region verbunden. Das spielt auch eine Rolle bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen. Ein Familienunternehmer investiert eher in die Produktion am Heimatstandort, auch wenn es in Osteuropa billiger ist.
Nachzulesen bei HZ-online: http://tinyurl.com/gyya6 (leider nur im google-Cache).
Kommentiert von: ulysses | 17. April 2006 um 09:17 Uhr
Nachtrag:
Heute in Spiegel Online (http://tinyurl.com/jmllf):
"Der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann hat Managern von Großkonzernen vorgeworfen, das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft zu gefährden. Ihr Verhalten schade dem Ansehen deutscher Unternehmer."
Kommentiert von: ulysses | 17. April 2006 um 15:08 Uhr